Richtig reisen - Die Kunst des Reisens

Johann Wolfgang von Goethe verglich eine Reise mit einem Spiel. „Es ist immer etwas Gewinn und Verlust dabei - meist von der unerwarteten Seite.“ Nun war zu seiner Zeit eine Reise gewiss etwas anderes als es das heute ist. Es gab keine Pauschalreisen mit All inklusive Leistungen, keinen Flughafentransfer und keine Reiserücktrittsversicherung, und dennoch kann seiner Aussage auch heute noch zugestimmt werden. Auch wenn in unserer Zeit alles sehr viel einfacher planbar und kalkulierbar ist, können doch nicht immer und überall alle Eventualitäten berücksichtigt und abgesichert werden. Und das ist auch gut so: Möglicherweise liegt das authentische Reisen genau in der Differenz zwischen Plan und Wirklichkeit. Richtig reisen hat mehr gemein mit einem „sich treiben lassen“, als mit einem „getrieben werden“.

Die Kunst des Reisens besteht nicht allein in der Wahl des „richtigen“ Reiseziels und der Reiseart sondern vielmehr auch in den Ideen zu und den Erwartungen von einer Reise, in der Vorfreude, in dem „sich einlassen“ auf das Fremde, in der Wahl eines Reisepartners oder der Entscheidung alleine zu reisen. Auch das wahrnehmen und dokumentieren der Erlebnisse, der fremden Eindrücke und der Gefühle zählen sicher zur Kunst des Reisens. Diese Kunst wurde ab dem 16. bis zum 18. Jahrhundert besonders zelebriert. Das richtige Reisen und die Beschreibung dessen wurde im Zeitalter der Renaissance en vogue, als sich ein Bedürfnis des Denkens und Forschens unabhängig von der Kirche entwickelte. In dieser Zeit wollten die Reisenden nicht nur die Welt sondern eine neue Sicht auf diese entdecken.

In unserer Kultur ist eine Reise häufig mit „Urlaub“ verbunden, dessen Zeit sich auf einen geringen, kostbaren Teil des Jahres beschränkt. Jedoch kann eine Reise viel mehr als Urlaub sein: Häufig ist es einfach Fernweh, das gestillt werden muss, manchmal ist es die Sehnsucht nach dem Schönen, bisweilen ist es eine Flucht, oft eine Phantasie von Orten oder Menschen, manchmal ist es auch ein Abschied vom Alten und eine Begrüßung des Neuen. Und wenngleich die Zeiten der großen Entdecker längst vorüber sind, so ist doch in jedem von uns ein kleiner Marco Polo versteckt, der erforschen und lernen will, was er noch nicht weiß und kennt. Nicht zuletzt wird eine Reise immer auch von individuellen Einstellungen zu den Dingen, von Stimmungen und aktuellem persönlichem Umfeld beeinflusst.