Richig reisen

"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen", stellte Johann Wolfgang von Goethe fest. In der heutigen Zeit der Pauschalreisen ist das gar nicht so einfach. Eine Reise besteht dann häufig darin, von einem Ort an den anderen zu gelangen, dort zu verbleiben und wieder nach Hause zu fahren.

Richtig reisen muss aber auch den Aspekt der Annäherung an und der Abwendung von etwas berücksichtigen. Man kann sich einem Reiseziel auf unterschiedliche Arten nähern und sein Heim entsprechend auf unterschiedliche Arten verlassen, z.B. mit dem Flugzeug, dem Auto oder Zug, dem Fahrrad oder per pedes. Die menschliche Aufnahmefähigkeit gleicht jedoch nicht der Geschwindigkeit eines Zuges und schon gar nicht der eines Flugzeuges. Da jedoch oftmals nicht genügend Zeit vorhanden ist, um ans andere Ende Welt „zu Fuß“ zu gelangen, muss man in Kauf nehmen, unterschiedliche Etappen einer Reise nicht wirklich wahrnehmen zu können.

Das ist nun mal so. So steigt z.B. im Falle einer Pauschalreise nach Griechenland, eine Familie zunächst in den Zug der zum Flughafen fährt, steigt in das Flugzeug, das nach Korfu fliegt, nimmt den Flughafen – Transferbus und checkt schließlich in einem netten 4 – Sterne Hotel ein. Die Familie hat also in vielleicht 6 Stunden eine Distanz von eigentlich unvorstellbaren 1.800 km zurück gelegt. Was jedoch zwischen München und Korfu liegt, die schneebedeckten Gipfel der Alpen, die herrlichen Bergpässe in Südtirol, satte Wiesen und die warme Luft Italiens, die sanften Hügel der Toskana und wie das Meer seine Farbe und seinen Geruch auf diesem Weg verändert, all das hat die Familie nicht wahrnehmen können. Was sie jedoch wahrnehmen kann ist die Reise, im Auto, im Zug und im Flugzeug. Sie kann die Landschaft aus unterschiedlichsten und fremden Perspektiven jedoch nur sehen (aber nicht erleben) und sich so an das Reiseziel annähern.

Anders, und wenn man so will besser an die menschlichen Fähigkeiten angepasst, wäre eine Reise die vielleicht mit dem Fahrrad vor der Haustür beginnt. Dann wird man nicht nur sehen sondern wirklich wahrnehmen, wie sich die Landschaft, die Gerüche, das Licht und die Menschen verändern. Man kann so eine Reise mit allen Sinnen erleben und ein Gefühl davon haben, an diesen Orten auch wirklich gewesen zu sein, nach dem Motto: "Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich" (J.W. Goethe).